2003 Cadavre Exquis

Kuratiert von Kurt Stadtler, 2003

 

Die surrealistische Vorgehensweise, unbewusstes durch die Kombination disparater Teile zu visualisieren, betitelt ein Videoscreening, das mit einem Industriekörper, wahrgenommen von realen Körpern, auf anachronistische Weise virtuelle Körper chauffiert, und so einen Raumkörper konstituiert, der nur aus dieser Koinzidenz entsteht.
Ein Videotruck, platziert an verschiedenen Orten des öffentlichen Raums, befreit die Videos aus dem Schutzraum Museum und der Guckkastenbühne Monitor, er transportiert und mobilisiert die Bilder als beschleunigtes Billboard im Stadtraum, sodass hier sozusagen nicht die Kanäle gezappt werden, sondern das Publikum. Der Flaneur des 19. Jahrhunderts ist längst zum flüchtigen Passanten mutiert – die Images kommen fast zur Ruhe. Jenseits des Narrativs eines Spielfilms widersprechen Loops, zurückhaltender Ton und Schnitt dem Beat von couch potato action. Der selbstverständliche und undogmatische Umgang mit verschiedenen Medien ist signifikant. Körperlichkeit als Zugang zu persönlicher Welterfahrung ist ein teils humor- und lustvolles, teils aus existentiellen Grenzerfahrungen stammendes Ausdrucksmittel, ohne je in Pathos oder Beliebigkeit zu verfallen. Diese unter dem Begriff Video firmierenden künstlerischen Arbeiten einer jüngeren Generation konterkarieren manchmal vorwitzig, jedenfalls bestimmt, den Kontrollanspruch kommerzieller und propagandistischer Nutzer dieser Medien.
Privat versus publik? – Jedenfalls deutlich wahrnehmbar!

Public Space

Es geht um nicht weniger, als um die wenigstens temporäre Wiedereroberung des öffentlichen Raums durch die bildende Kunst. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdrängten kommerzielle Werbeflächen sukzessive alle anderen Formen bildender Kunst in das scheinbar Private. Die genuin demokratischen Qualitäten der Agora sind aber heute nach wie vor nicht durch andere orte oder Medien ersetzbar: für Obdachlose, AsylwerberInnen, Menschen in Armut generell wird ein Museumsbesuch oder das Surfen im Internet, um nur zwei Beispiele anzuführen, kaum je möglich sein, dagegen ist der öffentliche Raum, als Lebensraum im buchstäblichen Sinn, noch allgemein zugänglich. Daher sollen sich die bewegten Bilder der Videos auch räumlich in der Stadt fortbewegen und sowohl die obsolet gewordenen Reste der feudalistischen und klerikalen statischen Weltmodelle, als auch die ubiquitären Werbungen hinter sich lassen. Auch der Topos von reisenden KünstlerInnen verlangt vehement nach einem mobilen Kunstbegriff.

Teilnehmende KünstlerInnen:
Adriana Czernin
Tracey Emin
Manuel Gorkiewicz
G.R.A.M.
Edgar Honetschläger
Anna Jermolaewa
Zilla Leutenegger
Pipilotti Rist
Klaus Schuster
M.S. Umesh
Flora Watzal
Gernot Wieland

Dokumentation:
Katalog