2008 Künstlerhaus 4

„Einen Raum ohne oben und unten“, 2008
(ausgearbeitetes Projektkonzept – nicht realisiert)

 

Den Himmel auf Erden………………..

Den Himmel auf Erden holen wollen in einem Projekt KünstlerInnen der Grazer Künstlergruppe 77 in der „Tempelhalle“ des Grazer Künstlerhauses.
Sie wollen den Himmel im Diesseitigen vorstellbar- und erlebbar machen und sich nicht auf Vertröstungen und vage Versprechungen im jenseitigen KünstlerInnen-Himmel verlassen.
Lichtsäulen sollen eine Transformation zwischen Oben und Unten, zwischen Ober- und Unterhimmel imaginieren.
Wer an die Auferstehung glaubt und seine Transzendenz wünscht, muss allerdings durch die Schleuse der Zensur. Über dem Eingang wird sie nicht der Slogan „Für die Freiheit der Kunst und KünstlerInnen“ sondern „Nur für Bekenner zur Trinität des Guten, Wahren und Schönen“ erwarten.
Dort werden sie die Jünger des „Guten, Wahren und Schönen“ – Philosophen, Theologen, Kunstwissenschafter, Kunstkritiker, Kuratoren, Redakteure, Politiker,……………..empfangen und entscheiden über ihren Eintritt in den Ober-Himmel – oder sie dem Schicksal der Schwerkraft überlassen.

Anmerkung: Der „Oben-Himmel“ spiegelt sich im getönten Glas/Glanzfolie des „Unten-Himmels“.

Text von Heribert Michl

 

Unten ist auch oben –
der Umsturz von oben

Die Welt ist eine Konstruktion, eine Konstruktion des Menschen. Wir konstruieren, wir „zimmern“ uns unsere Welt zurecht. Da ist z.B. oben, da ist unten. Wir können uns eine Welt, einen Raum ohne oben und unten schwer vorstellen: oben das Dach, die Decke, unten der Boden, der Keller, oben der Himmel, unten die Erde, oben die Mächtigen, Reichen, unten die Armen, die Verlierer, oben das Gute, Geistige, Spirituelle, unten das Schlechte, Böse, Materielle…

Mit dem Projekt „Unten ist auch oben – der Umsturz von oben“ konstruieren wir diese gewohnte Weltsicht um: Unten ist auch oben. Wir verlegen das Oben des Künstlerhauses, sein räumliches, architektonisches Oben nach unten auf den „Boden“. Oben und unten wird relativiert, scheint teilweise aufgehoben, durch zwei „oben“ ersetzt, ein annähernd „bodenloser“ Raum, ein neues Welt-Gedanken-Gebäude entsteht….

Durch diesen Eingriff wird nicht nur der Raum des Künstlerhauses „umgestürzt“. Eingeprägte Denk- und Sehweise, gängige Weltanschauungen und Raumvorstellungen werden mit umgestürzt, eine neue Realität erscheint. Der Kopf wird auf den Fuß gestellt. Der Fuß wird auch zum Kopf.
Es lebe der Umsturz allzu gewohnter Weltsichten und Welterklärungsmodelle!

Text von Alois Neuhold

Dokumentation:
Werkbuch