1996 Aquadrat

Als temporäre Installation der Gruppe 77, im mittleren Teich des Grazer Rosenhains, anlässlich des steirischen Herbstes 1994 zum Thema Erfahrung und Unschuld.

 

„Auch das Fließen muß proportioniert werden.“ (F.E. Walther)

Aquadrat besteht aus einem 6 x 6 m großen Quadrat, dessen Seiten von verzinkten Metallrohren (Durchmesser 76 mm) gebildet werden. Die Rohre sind mit Düsen ausgestattet, die durch eingepumptes Wasser die innere Fläche in eine leichte Wellenbewegung versetzen. Durch Schwimmkörper wird der quadratische Rahmen an der Wasseroberfläche gehalten. Zur Fixierung etwa in der Teichmitte dienen leichte Anker. Das die Bewegung bewirkende Wasser wird dem Teich entnommen, der Umlauf durch eine elektrisch betriebene Tauchpumpe mit einem Saugkorb gewährleistet. Das Pumpengeräusch wird an der Oberfläche kaum oder überhaupt nicht wahrzunehmen sein.
Die Installation erfolgt bewusst an einem Ort der Stille außerhalb des städtischen Siedlungsgebietes. Durch den beschriebenen künstlerischen Eingriff wird es möglich, in einem Medium (Wasser) zwei polare, sich nach der menschlichen Erfahrung ausschließende Zustände zu vereinen: Die quadratische Fläche des bewegten Wassers inmitten einer ruhigen Teichebene. Die gegenseitige Abgrenzung der Felder ist eine Oberfläche und ist als solche deutlich zu erkennen.

Im Funktionieren des Kunstwerkes bedingen sich innere Fläche und umgebender Teich gegenseitig, erfolgt doch die zur Bewegung notwendige Wasseraufnahme aus dem gemeinsamen Potential dieses Lebenselements.

So entsteht ein Sinnbild für das scheinbare Nebeneinander und das wirkliche Miteinander in einem Kontinent, in dem sich im letzten Jahrzehnt unseres Millenniums die starren, bürokratischen Grenzen immer mehr auflösen, ohne dabei regionale und kulturelle Eigenständigkeiten und Charakteristika auszulöschen. Dieses Bild soll den unvoreingenommenen Betrachter durch seine Ungewöhnlichkeit, d.h. durch das Sichtbarmachen einer ungewohnten Nachbarschaft, nachdenklich stimmen, soll ihn zur Toleranz im eigenen Denken und Handeln aufrufen.
Die Stärke des Werkes liegt in seiner unspektakulären Stille, die die Eindringlichkeit seiner inneren Wahrheit noch verdichtet.
Der natürlichen, biomorphen Form des Teiches steht das Quadrat gegenüber, das als geometrisches Symbol „die Orientierung des Menschen im Raum, die Ausrichtung des Lebensbereiches nach den Weltgegenden“, und den Willen des Menschen bekundet, „sich in einer chaotisch erscheinenden Welt durch Einführung von Richtungen und Koordinaten zurechtzufinden“.
Das Wasser, in „vielen Weltschöpfungsmythen die Quelle des Lebens, das aus ihm emporsteigt“, birgt in sich die Ambivalenzen von Fruchtbarmachung und Ertrinken, von Tot und Wiedergeburt, und damit auch von Erfahrung und Unschuld.

Die Zitate im Text sind dem Lexikon der Symbole von Hans Biedermann entnommen.

Text von Gerhard Lojen

Teilnehmende KünstlerInnen:
Fria Elfen
Hans Jandl
Peter Janach
Doris Jauk-Hinz
Claudia Klučarić
Hans Kuhness
Erwin Lackner
Erika Lojen
Gerhard Lojen
Stefan Maitz
Wolfgang Rahs

Dokumentation:
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